10 überraschende Fakten über Belgrad und Serbien, die Sie noch nicht kennen

Belgrad, die Hauptstadt Serbiens ist viel mehr als ein beliebtes Reiseziel. Obwohl die meisten Besucher Belgrad mit gutem Essen, Nachtleben und der besonderen Atmosphäre zwischen Donau und Save verbinden, gehört diese Stadt zu den geschichtsträchtigsten Städten Europas.
Ihre Geschichte verbindet römische Kaiser, große Imperien und ungewöhnliche Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten.
Viele dieser Geschichten entdeckt man nicht auf den ersten Blick – manchmal verstecken sie sich hinter einer unscheinbaren Fassade, einem alten Schiff oder einem Platz, an dem heute kaum jemand stehen bleibt.
Und viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Belgrads erzählen genau diese Geschichten – von der Festung über die alten Stadtviertel bis zu den Spuren verschiedener Epochen.
Hier sind zehn Fakten über Belgrad und Serbien, die Sie vielleicht überraschen werden.
1. Der Erste Weltkrieg begann mit Schüssen auf Belgrad
Viele Menschen verbinden den Beginn des Ersten Weltkriegs mit dem Attentat von Sarajevo.
Doch der erste militärische Angriff dieses weltverändernden Konflikts traf Belgrad.
Am 28. Juli 1914 eröffnete das österreichisch-ungarische Kriegsschiff Bodrog das Feuer auf die serbische Hauptstadt. Die Schüsse dieses Schiffes markierten den Beginn des Ersten Weltkriegs.
Das Erstaunliche: Der Bodrog existiert noch heute.
Das ehemalige Kriegsschiff befindet sich in Belgrad an der Save, gleich zu der Brankos Brücke, in der Nähe des Stadtzentrums – und kann besichtigt werden.

Einst Kriegsschiff Bodrog, heute Monitor Sava, in Belgrad
2. Belgrad war die erste und letzte Hauptstadt Europas, die im 20. Jahrhundert bombardiert wurde
Die Geschichte Belgrads ist eine Geschichte zwischen den Frontlinien.
Die Stadt wurde im 20. Jahrhundert gleich mehrfach zum Schauplatz großer Konflikte.
1914 war Belgrad die erste Hauptstadt, die im Ersten Weltkrieg angegriffen wurde.
1999 war Belgrad während der NATO-Luftangriffe erneut Ziel eines militärischen Angriffs – und damit die letzte europäische Hauptstadt, die im 20. Jahrhundert bombardiert wurde.
Diese Gegensätze prägen bis heute das Stadtbild und die Erinnerungen ihrer Bewohner.
3. In Belgrad wurde römische Keiser Jovian geboren – auf dem Gebiet des heutigen Serbiens sogar 18
Serbien war bereits in der Antike ein Zentrum der Macht.
Auf dem Gebiet des heutigen Serbiens wurden insgesamt 18 römische Kaiser geboren – mehr als in jedem anderen Land außerhalb Italiens. Der bekannteste ist unbedingt Keiser Konstantin der Größe, der Christentum anerkannt hat.
Zu ihnen gehören bedeutende Herrscher wie Kaiser Konstantin der Große, der das Christentum im Römischen Reich legalisierte, oder Justinian, einer der wichtigsten Kaiser der Spätantike.
Auch Belgrad selbst brachte einen römischen Kaiser hervor: Jovian.
Wer heute durch Serbien reist, bewegt sich also durch eine Landschaft, die einst Teil des politischen Zentrums der römischen Welt war.
4. Eine Stadt in Serbien war einst eine Hauptstadt des Römischen Reiches
Nur wenige Besucher wissen, dass das heutige Sremska Mitrovica einst eine der wichtigsten Städte Europas war.
Unter dem Namen Sirmium gehörte die Stadt zu den vier Hauptstädten des Römischen Reiches während der Zeit der Tetrarchie.
Mehrere römische Kaiser wurden hier geboren.
Heute kann man dort noch Spuren dieser außergewöhnlichen Vergangenheit entdecken.
5. Die Verschwörung zum Attentat von Sarajevo begann in Belgrad
Eine unscheinbare Ecke im heutigen Belgrad verbindet die Stadt mit einem Ereignis, das die Weltgeschichte veränderte.
Die Vorbereitungen und Treffen der Verschwörer rund um das Attentat von Sarajevo fanden teilweise in Belgrad statt – unter anderem in einer Gaststätte, die damals ein Treffpunkt nationalistischer Kreise war.
Das Faszinierende an Belgrad ist genau dieser Kontrast: Heute wirkt dieser Ort völlig unscheinbar – eine alte Fassade, ein kleiner chinesischer Laden, nichts deutet darauf hin, dass hier einst eine Verschwörung vorbereitet wurde, die schließlich den Ersten Weltkrieg auslöste.
Man läuft oftmals direkt über Geschichte hinweg, ohne es zu wissen.
6. Belgrad wurde mehr als hundert Mal angegriffen
Warum wurde Belgrad so oft umkämpft?
Die Antwort liegt in seiner Lage.
Die Stadt befindet sich am Zusammenfluss von Donau und Save – an einem der strategisch wichtigsten Punkte Europas.
Laut der Encyclopaedia Britannica wurde Belgrad im Laufe seiner Geschichte etwa 115 Mal angegriffen und über 40 Mal zerstört oder schwer beschädigt.
Kaum eine europäische Hauptstadt besitzt eine vergleichbare turbulente Vergangenheit.
7. Die Mittagsglocken Europas erinnern an die Verteidigung Belgrads
Im Jahr 1456 stand Belgrad vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte.
Nur drei Jahre nach der Eroberung Konstantinopels stand Mehmed II. mit seinem Heer vor den Toren Belgrads.
Die Verteidiger unter Führung von Janos Hunyadi und Johannes von Capistrano konnten die Belagerung zurückschlagen.
Als die Nachricht vom Sieg Europa erreichte, soll Papst Calixt III. ausgerufen haben, dass das Christentum gerettet sei.
Er ordnete an, dass jeden Tag um zwölf Uhr die Kirchenglocken läuten sollten.
Diese Tradition besteht in vielen Teilen Europas bis heute.
Gerade solche Geschichten erzähle ich während meiner Stadtführungen durch die Belgrader Altstadt und die Festung von Belgrad (Kalemegdan).
8. Lili Marleen wurde von Belgrad aus weltberühmt
Einer der bekanntesten Schlager des 20. Jahrhunderts ist eng mit Belgrad verbunden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Lili Marleen über Radio Belgrad, damaligen Soldatensender Belgrad, ausgestrahlt.
Die Sendung wurde von Soldaten auf beiden Seiten der Front gehört – von deutschen ebenso wie von alliierten Soldaten, nicht nur in Europa, sondern auch in Nordafrika.
Aus einer Radiostation in Belgrad wurde ein Lied, das weltweit bekannt wurde.

Radio Belgrad und die Geschichte von Lili Marleen
9. Der echte James Bond hat in Belgrad gelebt
Das Leben von Duško Popov klingt fast wie ein Drehbuch.
Der Sohn einer wohlhabenden Familie aus Belgrad wurde während des Zweiten Weltkriegs einer der bekanntesten Doppelagenten der Alliierten.
Ian Fleming soll sich von Popovs Persönlichkeit für die Figur James Bond inspirieren lassen haben.
Popov bewegte sich zwischen Europa und den USA, besuchte das berühmte Casino Estoril in Portugal und führte ein Leben voller Geheimnisse, Luxus und Gefahr.
Die Realität war manchmal spannender als die Fiktion.
10. Novi Beograd war eine Stadt der Zukunft
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf der anderen Seite der Save eine völlig neue Stadt:
Novi Beograd.
Geplant als moderne Hauptstadt des sozialistischen Jugoslawiens, entstand hier eine Architektur, die stark von den Ideen der internationalen Moderne geprägt war.
Gemeinsam mit Brasília in Brasilien und Chandigarh in Indien gehörte Novi Beograd zu den bedeutendsten Beispielen moderner Stadtplanung des 20. Jahrhunderts.
Heute entdecken immer mehr Architekturinteressierte diese außergewöhnliche Seite Belgrads.

Novi Beograd und die Architektur des Brutalismus
Belgrad ist eine Stadt zum Entdecken
Belgrad ist keine Stadt, die man einfach mit einer Liste von Sehenswürdigkeiten abhakt.
Hinter jeder Ecke verstecken sich Geschichten:
von römischen Kaisern, vergessenen Schiffen, Spionen, Kriegen und ungewöhnlichen Begegnungen zwischen Kulturen.
Genau diese Geschichten machen Belgrad einzigartig.
Wenn Sie Belgrad nicht nur sehen, sondern wirklich verstehen möchten, begleite ich Sie gerne auf einer privaten Stadtführung und zeige Ihnen die Orte hinter den Geschichten.
